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Iwan Aiwasowski

Aiwasowskis Werke erzielen auf internationalen Auktionen regelmäßig Preise im Millionenbereich. Sein Wohnhaus in Feodossija beherbergt seit 1880 die Aiwasowski-Gemäldegalerie, eines der ältesten Kunstmuseen Russlands. Daneben wirkte er als Stifter: Er finanzierte den Ausbau des Hafens und der Wasserversorgung Feodossijas und initiierte die 1892 eröffnete Eisenbahnverbindung. Sein Œuvre gilt als Referenzpunkt für die Marinemalerei des 19. Jahrhunderts und ist Gegenstand fortlaufender kunsthistorischer Forschung.
Iwan Konstantinowitsch Aiwasowski (1817–1900) war ein russisch-armenischer Maler der Spätromantik und gilt als einer der bedeutendsten Marinemaler der Kunstgeschichte. Über sechs Jahrzehnte schuf er rund 6.000 Werke, vorwiegend Seestücke, und prägte die russische Marinemalerei nachhaltig.
 Geboren wurde er am 29. Juli 1817 in Feodossija auf der Krim als Sohn des armenischen Kaufmanns Konstantin (Gevorg) Aiwasian. In den Taufbüchern der armenisch-apostolischen Sarkis-Kirche wurde er als Hovhannes geführt. 1830 zog er mit der Familie des Gouverneurs Alexander Kasnatschejew nach Simferopol und besuchte das dortige Gymnasium. 1833 trat er in die Kaiserliche Akademie der Künste in Sankt Petersburg ein, wo er in der Landschaftsklasse von Maxim Worobjow studierte. 1836 begegnete er dort Alexander Puschkin. 1837 schloss er das Studium mit einer Goldmedaille ab, zwei Jahre früher als regulär vorgesehen. Von 1840 bis 1844 hielt er sich auf Studienreise in Europa auf, unter anderem in Venedig, Florenz, Rom, Neapel und Sorrent. In Venedig besuchte er das armenische Mechitaristen-Kloster San Lazzaro degli Armeni und lernte Nikolai Gogol kennen. 1845 wurde er Akademiemitglied und offizieller Marinemaler der russischen Flotte. Im selben Jahr ließ er sich dauerhaft in Feodossija nieder, wo er Haus und Atelier errichtete. Er starb am 2. Mai 1900 ebendort.
Aiwasowski blieb zeitlebens der Romantik verpflichtet, auch als sich die russische Malerei ab Mitte des 19. Jahrhunderts dem Realismus zuwandte. Charakteristisch sind die Darstellung von Lichtreflexen auf Wasseroberflächen, die Inszenierung dramatischer Wetterstimmungen und das Verhältnis von menschlicher Verletzlichkeit zur Naturgewalt. In den 1840er- und 1850er-Jahren arbeitete er mit kräftiger, kontrastreicher Farbigkeit. Ab den 1870er-Jahren wandte er sich gedämpfteren Tönen zu; in den letzten beiden Lebensjahrzehnten entstand eine Serie silbergrauer Seestücke. Er malte überwiegend aus dem Gedächtnis statt vor Motiv und arbeitete schnell – ein Faktor seiner hohen Produktion.
 
Sein bekanntestes Werk ist Die neunte Welle (Девятый вал, 1850, Öl auf Leinwand, 221 × 332 cm), das eine Schiffbruchszene im Morgenlicht zeigt. Es befindet sich seit 1897 im Russischen Museum in Sankt Petersburg. Während des Krimkrieges entstanden dokumentarisch geprägte Schlachtenbilder wie Die Seeschlacht von Sinop (1853) und Die Belagerung Sewastopols (1856). Weitere zentrale Arbeiten sind Der Regenbogen (1873) und Die Brigg „Merkur“ im Kampf gegen zwei türkische Schiffe (1892). Nach den antiarmenischen Pogromen im Osmanischen Reich 1894/95 schuf er anklagende Werke wie Tragödie im Marmarameer (1897) und gab seine osmanischen Auszeichnungen demonstrativ zurück.
Aiwasowski stellte zu Lebzeiten in Sankt Petersburg, Moskau, mehreren europäischen Hauptstädten und in den USA aus. Fjodor Dostojewski würdigte ihn nach einer Ausstellung als Marinemaler ohne Konkurrenz. Da er sich nie dem Realismus anschloss, wurde sein Werk in Russland zeitweise als anachronistisch kritisiert, blieb beim Publikum jedoch durchgehend populär. Heute beanspruchen Russland, die Ukraine und Armenien sein Erbe gleichermaßen.